Wasser ist eines der am häufigsten unterschätzten Elemente einer gesunden Ernährung. Während viele Menschen mit Diabetes Typ 2 sich intensiv mit Kohlenhydraten, Zucker und Kalorien beschäftigen, wird die Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr oft übersehen. Dabei zeigt die Forschung, dass gerade bei Stoffwechselerkrankungen eine ausreichende Hydration eine zentrale Rolle für die Blutzuckerregulation spielt.¹
Dieser Artikel erklärt, warum Trinken bei Diabetes Typ 2 besonders wichtig ist, wie viel Flüssigkeit empfohlen wird, welche Getränke geeignet sind und welche besser gemieden werden sollten.
Warum ist Trinken bei Diabetes Typ 2 so wichtig?
Menschen mit Diabetes Typ 2 haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. Der Hauptgrund liegt in der Arbeitsweise der Nieren: Bei erhöhten Blutzuckerwerten filtern die Nieren verstärkt überschüssigen Zucker aus dem Blut. Dabei wird mehr Wasser über den Urin ausgeschieden. Diesen Flüssigkeitsverlust muss der Körper ausgleichen¹.
Auswirkungen von Flüssigkeitsmangel auf den Blutzucker
Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte: Schon ein leichter Flüssigkeitsmangel kann die Blutzuckerregulation bei Menschen mit Diabetes Typ 2 verschlechtern². Die Teilnehmer tranken drei Tage lang weniger als üblich. Das Ergebnis: Ihre Nüchtern-Blutzuckerwerte stiegen deutlich an.
Warum ist das so? Bei Flüssigkeitsmangel schüttet der Körper vermehrt das Hormon Vasopressin aus. Dieses Hormon beeinflusst den Blutzuckerspiegel negativ. Menschen, die dauerhaft wenig trinken, haben höhere Vasopressin-Werte und damit auch ein höheres Risiko für Stoffwechselprobleme³.
Weitere Vorteile ausreichender Hydration
Neben der direkten Wirkung auf den Blutzucker hat ausreichendes Trinken weitere positive Effekte:
- Nierenfunktion: Ausreichend Wasser unterstützt die Nieren bei ihrer Arbeit und kann Nierenschäden vorbeugen.
- Herzgesundheit: Bei Flüssigkeitsmangel wird das Blut dickflüssiger, was das Herz stärker belastet.
- Konzentration: Schon leichter Flüssigkeitsmangel kann müde machen und die Konzentration beeinträchtigen.
- Sättigungsgefühl: Ein Glas Wasser vor dem Essen macht schneller satt und hilft so beim Abnehmen.
Wie viel sollte man trinken?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt für Erwachsene: Frauen sollten täglich etwa 2,0 Liter Flüssigkeit aufnehmen, Männer etwa 2,5 Liter⁴. Diese Menge umfasst alles zusammen: Trinkwasser, andere Getränke und die Flüssigkeit aus Lebensmitteln wie Obst und Gemüse.
Da etwa 20 Prozent der täglichen Flüssigkeit über feste Nahrung aufgenommen wird, sollte man täglich etwa 1,5 bis 2 Liter trinken. Das entspricht ungefähr 6 bis 8 Gläsern (je 250 ml).
Individuelle Anpassung des Bedarfs
Der persönliche Flüssigkeitsbedarf kann je nach Situation höher sein:
- Körperliche Aktivität: Bei Sport oder körperlicher Arbeit steigt der Bedarf um 0,5 bis 2,5 Liter.
- Temperatur: Bei Hitze oder in beheizten Räumen braucht der Körper mehr Flüssigkeit.
- Gesundheitszustand: Bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen steigt der Bedarf deutlich.
- Blutzuckerwerte: Bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten verliert der Körper mehr Flüssigkeit über den Urin.
Wann sollte man trinken?
Am besten trinkt man gleichmäßig über den Tag verteilt. Besonders wichtig ist es:
- Morgens nach dem Aufstehen: Der Körper hat über Nacht Flüssigkeit verloren.
- Vor den Mahlzeiten: Ein Glas Wasser etwa 30 Minuten vor dem Essen fördert das Sättigungsgefühl.
- Bei körperlicher Aktivität: Vor, während und nach dem Sport trinken.
- Regelmäßig über den Tag: Nicht auf das Durstgefühl warten. Besonders ältere Menschen spüren Durst oft erst spät.
Welche Getränke sind empfehlenswert?
Die beste Wahl für Menschen mit Diabetes Typ 2 sind kalorienfreie Getränke ohne Zucker. Sie beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht und liefern keine zusätzlichen Kalorien.
Wasser: Die erste Wahl
Leitungs- oder Mineralwasser ist das ideale Getränk bei Diabetes. Es enthält keine Kalorien, keinen Zucker und keine Zusatzstoffe. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2021 zeigte, dass Menschen, die mehr Wasser trinken, ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes haben⁵. Wer pures Wasser zu langweilig findet, kann es mit Zitronen-, Limetten- oder Gurkenscheiben oder frischer Minze aufpeppen.
Ungesüßter Tee
Grüner Tee, schwarzer Tee und Kräutertees ohne Zucker sind ausgezeichnete Alternativen zu Wasser. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiger Teekonsum mit einem niedrigeren Diabetesrisiko verbunden sein könnte⁶. Eine große Übersichtsstudie fand, dass Teetrinker mit Diabetes ein um 15 Prozent geringeres Sterberisiko hatten als Nicht-Teetrinker⁷. Wichtig ist jedoch: Der Tee muss ungesüßt bleiben.
Kaffee
Kaffee ohne Zucker und ohne Milch (oder mit nur wenig fettarmer Milch) ist für Menschen mit Diabetes ebenfalls geeignet. Interessanterweise zeigen Studien, dass Kaffeetrinker seltener an Diabetes erkranken. Eine große Übersichtsstudie mit über einer Million Teilnehmern fand, dass jede zusätzliche Tasse Kaffee pro Tag das Diabetesrisiko um 6 Prozent senkte⁸. Das galt sowohl für normalen als auch für entkoffeinierten Kaffee.
Wichtig: Kaffeegetränke aus Cafés enthalten oft viel Zucker und kalorienreiche Zusätze. Ein schwarzer Kaffee oder Espresso ist die bessere Wahl als ein Latte Macchiato mit Sirup.
Sprudelwasser und aromatisiertes Wasser
Mineralwasser mit Kohlensäure ist eine gute Alternative für alle, die Abwechslung zu stillem Wasser suchen. Bei fertig aromatisiertem Wasser aus dem Handel ist Vorsicht geboten: Viele Produkte enthalten versteckten Zucker. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich. Am besten ist selbst aromatisiertes Wasser mit frischem Obst oder Kräutern.
Alternative für alle, die pures Wasser nicht mögen
Nicht jeder kann sich mit purem Wasser anfreunden. Manche Menschen finden den Geschmack zu langweilig und trinken deshalb zu wenig. In diesem Fall gibt es eine gute Lösung: Getränke mit Süßstoffen statt Zucker.
Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe (z. B. Steviolglykoside, Sucralose oder Erythrit) liefern kaum bzw. keine verwertbare Energie und erhöhen den Blutzuckerspiegel in der Regel nicht.
Das bedeutet: Ein Getränk kann süß schmecken, ohne dass es zu einem nennenswerten Blutzuckeranstieg kommt – vor allem im Vergleich zu klassischem Zucker.¹³
Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, genug zu trinken, können Light-Getränke, Zero-Limonaden oder mit Süßstoff gesüßte Eistees eine praktische Lösung sein. Sie bieten Geschmacksvielfalt und machen es leichter, auf die empfohlene Trinkmenge zu kommen.
Auch selbst zubereitete Getränke lassen sich mit Süßstoff verfeinern: Tee mit einem Tropfen flüssigem Süßstoff, Wasser mit Zitrone und etwas Stevia oder selbst gemachter Eistee mit Süßungsmittel sind leckere Alternativen.
Grundsätzlich bleibt Wasser die beste Wahl. Aber wenn die Alternative ist, zu wenig zu trinken, sind zuckerfreie Getränke mit Süßstoff eine sinnvolle Option für den Alltag.
Welche Getränke sollte man meiden?
Während kalorienfreie Getränke den Blutzucker nicht beeinflussen, können zuckerhaltige Getränke erhebliche negative Auswirkungen haben. Die wissenschaftliche Datenlage ist hier eindeutig.
Zuckergesüßte Getränke
Limonaden, Cola, Energy-Drinks, gesüßte Eistees und andere zuckerhaltige Getränke sollten konsequent gemieden werden. Eine große Übersichtsstudie mit über 310.000 Teilnehmern zeigte: Wer viele zuckergesüßte Getränke trinkt, hat ein um 26 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes⁹.
Der Grund ist einfach: Zucker in flüssiger Form wird extrem schnell vom Körper aufgenommen. Das führt zu starken Blutzuckerspitzen. Außerdem liefern diese Getränke viele Kalorien, ohne satt zu machen. Eine 2025 veröffentlichte Studie im Fachjournal Nature Medicine schätzte, dass weltweit 2,2 Millionen neue Diabetesfälle im Jahr 2020 auf zuckergesüßte Getränke zurückzuführen waren¹⁰.
Fruchtsäfte
Auch 100-prozentige Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz sind für Menschen mit Diabetes kritisch. Sie enthalten von Natur aus viel Fruchtzucker und lassen den Blutzucker schnell ansteigen. Eine Übersichtsstudie ergab, dass jedes Glas Fruchtsaft pro Tag das Diabetesrisiko um 8 Prozent erhöht¹¹.
Der Unterschied zu ganzen Früchten: Im Saft fehlen die Ballaststoffe, die den Blutzuckeranstieg normalerweise bremsen. Wer nicht auf Fruchtsaft verzichten möchte, sollte nur kleine Mengen trinken und den Saft am besten mit Wasser verdünnen.
Alkohol: Besser ganz meiden
Bei Diabetes Typ 2 ist es am besten, auf Alkohol ganz zu verzichten. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Unterzuckerungsgefahr: Alkohol kann den Blutzucker unvorhersehbar senken. Besonders für Menschen, die Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente nehmen, kann das gefährlich werden.
- Versteckte Kalorien: Alkohol liefert viele Kalorien (7 kcal pro Gramm), ohne zu sättigen. Das erschwert die Gewichtskontrolle erheblich.
- Zusätzlicher Zucker: Viele alkoholische Getränke wie Cocktails, Likör und Bier enthalten zusätzlich Zucker oder Kohlenhydrate.
- Stoffwechselbelastung: Alkohol belastet die Leber, die bei Diabetes ohnehin schon gefordert ist.
- Erschwerte Kontrolle: Alkohol kann die Wahrnehmung für Unterzuckerungsanzeichen beeinträchtigen.
Das Fazit lautet daher: Bei Diabetes Typ 2 ist der Verzicht auf Alkohol die sicherste Wahl für die Gesundheit.
Praktische Tipps für den Alltag
Die folgenden Strategien helfen, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in den Alltag zu integrieren:
Routine entwickeln
- Beginne jeden Tag mit einem großen Glas Wasser nach dem Aufstehen.
- Verknüpfe das Trinken mit festen Aktivitäten: ein Glas Wasser zu jeder Mahlzeit, nach jedem Toilettengang oder zu jeder vollen Stunde.
- Stelle dir abends bereits eine Karaffe Wasser für den nächsten Tag bereit.
Hilfsmittel nutzen
- Verwende eine wiederverwendbare Wasserflasche und nimm sie überall mit.
- Apps können an das Trinken erinnern und die Menge dokumentieren.
- Markierungen auf der Wasserflasche zeigen, wie viel bis zu welcher Uhrzeit getrunken werden sollte.
Geschmack variieren
- Wasser mit Zitrone, Limette, Gurke, Orange oder frischen Kräutern wie Minze oder Basilikum aromatisieren.
- Verschiedene Kräuter- und Früchtetees ausprobieren (kalt oder warm, aber immer ungesüßt).
- Mit und ohne Kohlensäure abwechseln.
- Bei Bedarf zuckerfreie Getränke mit Süßstoff als schmackhafte Alternative nutzen.
Flüssigkeitsmangel erkennen
Achte auf Anzeichen von Flüssigkeitsmangel: dunkler Urin, Müdigkeit, Kopfschmerzen, trockener Mund, Konzentrationsschwierigkeiten. Die Urinfarbe ist ein guter Hinweis: Hellgelber Urin zeigt eine gute Flüssigkeitsversorgung an, dunkelgelber Urin bedeutet, dass mehr getrunken werden sollte.
Fazit
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ein oft unterschätzter, aber wichtiger Baustein des Blutzuckermanagements bei Diabetes Typ 2. Studien zeigen, dass Flüssigkeitsmangel die Blutzuckerregulation verschlechtern kann, während ausreichendes Trinken die Stoffwechselgesundheit unterstützt. Die beste Wahl sind kalorienfreie Getränke: Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee in Maßen. Wer pures Wasser nicht mag, kann auf zuckerfreie Getränke mit Süßstoff zurückgreifen. Zuckerhaltige Getränke und Fruchtsäfte sollten konsequent gemieden werden, da sie den Blutzucker stark ansteigen lassen. Auf Alkohol sollte bei Diabetes am besten ganz verzichtet werden. Die empfohlenen 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag lassen sich mit einfachen Routinen gut in den Alltag integrieren. Wer regelmäßig über den Tag verteilt trinkt und auf die richtigen Getränke setzt, tut einen einfachen, aber wirkungsvollen Schritt für die eigene Stoffwechselgesundheit.





